500 Jahre Bauernkrieg – Ein Gedenkstein für die Helden des Aufstands, ein Gedenkstein für uns!
Jakob Forster, Jörg Hahn und Hans Kum aus Schwende, Hans Schmid aus Herdwangen und Bartholomäus Schmid aus Schönach.
Diese fünf Namen stehen stellvertretend für die Vielen, die im Bauernkrieg vor 500 Jahren ihren Wunsch nach Gerechtigkeit, Freiheit und Mitbestimmung mit dem Leben bezahlen mussten.
Zur feierlichen Enthüllung des Gedenksteins bei strahlendem Sonnenschein richteten neben Bürgermeisterin Alexandra Kipp auch der Oberbürgermeister aus Überlingen, Jan Zeitler, sowie der Literat und Büchner-Preisträger Arnold Stadler aus dem nahen Sauldorf Grußworte an die zahlreichen Gäste. Darunter waren auch unser Bundestagsabgeordneter Volker Mayer-Lay MdB, dessen Vorgänger, Ex-Bürgermeister Lothar Riebsamen, und Bruder Jakobus Kaffanke OSB vom Ramsberg.
Die Begrüßung der Gäste und die Einführung ins Thema erfolgte durch Gemeinderat Frieder Kammerer. Ihm und Matthias Honer, beide von der „Ramsberger Geschichtswerkstatt“ des Fördervereins Ramsberg, gilt es an dieser Stelle ein großes Dankeschön seitens der Gemeinde auszusprechen. Beide haben sich schon seit letztem Jahr sehr intensiv mit den Ereignissen vor 500 Jahren, auch in unserer Gemeinde, und deren Bedeutung für unsere Demokratiegeschichte und die Entwicklung unserer Bürgergesellschaft beschäftigt. Beide versuchten redlich, das Thema in etlichen Veranstaltungen den Bürgern unserer Gemeinde näher zu bringen und diese dafür zu sensibilisieren. Krönender Abschluss war nun die sehr gelungene, würdevolle Einweihung des Gedenksteins vor dem Bauernkriegsgemälde von 1961 von Carolus Focke am Rathaus.
Frieder Kammerer mahnte in seiner kurzen Einleitung, dass der Anlass für die Feier kein sehr schöner sei: Krieg und Gewalt sprächen aus den Zeilen der Gedenkplatte, die fünf Namen gehörten demnach jenen, nach einer Meuterei willkürlich hingerichteten, angeblichen Rädelsführern aus dem heutigen Gemeindegebiet. Wichtig ist ihm, dass dies kein Grab- sondern ein Gedenkstein sei, und so stünden diese Namen pars pro toto zum Gedenken für die Vielen, die in den Ereignissen ums Leben oder zu Schaden kamen.
Ehrengast Arnold Stadler spannte dann den Bogen zu seinen Vorfahren, welche mit einem Hahn aus Schwende einen direkten Bezug zu den Meuterern hätten, und verknüpfte fulminant Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer tiefgehenden, sehr persönlichen Rede.
Bürgermeisterin Alexandra Kipp betonte anschließend ganz explizit den Bezug zur heutigen Zeit. Auch heute sind viele Menschen gefrustet, wenn auch nicht so existentiell wie 1525, als die blanke Not für die Menschen unerträglich wurde und es irgendwann klar war: So geht es nicht weiter. Unzählige Menschen sind damals aufgestanden – mit großem Mut und dem Risiko, alles zu verlieren. Aber es gibt ja auch in der vermeintlich abgesicherten Gegenwart Dinge, die schlicht anders laufen könnten in unserem Land. Ist denn all das, was hier passiert, noch richtig? Könnte man nicht auch anders leben, anders wirtschaften, anders regieren?
Die Bürgermeisterin drückte deshalb ihre Dankbarkeit über den Gedenkstein aus: Nicht, weil er Dinge besser macht, gar ungeschehen, sondern weil er uns erinnert, dass Veränderung immer von den Menschen ausgeht – nicht von Systemen. Und dass Mut manchmal wichtiger ist als Perfektion.
Oberbürgermeister Jan Zeitler von Überlingen hatte eine etwas herausfordernde Aufgabe, wie er es einleitend auch betonte. Ist er doch der Nach-Nach-Nach-(…)-folger des damals regierenden Überlinger Bürgermeisters und Feldherren Jakob Kessenring, der für die Niederschlagung der Meuterei, aber auch die gnadenlosen Hinrichtungen verantwortlich war – eingeladen quasi zum Ort des Geschehens, den Herkunftsort der fünf Hingerichteten aus unserem heutigen Gemeindegebiet, nach 500 Jahren. Dies sei ihm erst bei der Vorbereitung auf seinen Besuch hier klargeworden, weshalb er sich sehr über diese Geste der Versöhnung und den Geist guter Nachbarschaft freue.
Stimmig umrahmt wurde die Feier von der „Ramsperger Rotte“ um Matthias Honer sowie einer befreundeten Bauernkriegs-Darstellungsgruppe, der Gruppe „Hans Müller von Bulgenbach“, welche mit dem Bauernführer Hans Müller „höchstpersönlich“ an der Spitze – damals der charismatische Führer der Schwarzwälder Bauern und hier im Hegau der Gegenspieler Kessenrings – den Weg nach Herdwangen auf sich genommen hat.
Für einen reibungslosen Ablauf und die tatkräftige Unterstützung von Bauhofmitarbeiter Patrick Ruland sorgten wieder einmal die Reservistenkameraden von „Oberer Linzgau“, so dass die gelungene Veranstaltung mit einem Sektempfang vor Ort in lockerer Atmosphäre ausklingen konnte.
Weitere Bilder der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie unter www.herdwangen-schoenach.de/bildergalerie/
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